REVISITING WONDERLAND

Repertoire

2 Performer / Bühne: 9m x 9m x 5m / Aufführungsdauer: 0:55 h

ZUM STÜCK

 

// Premiere 25. Juni 2015, Theater im Ballsaal, Bonn

// Lecture performance 20. Juni 2014, FLOW DANCE FESTIVAL Barnes Crossing - Wachsfabrik Köln

// Residenz April 2014, Scène Nationale de danse en Ile de la Réunion, Le Hangar, Centre Choréographique Eric Languet (F)

// Eine Koproduktion mit dem Theater im Ballsaal Bonn, La Belle Usine Fully (CH) und Scène Nationale de Danse en Ile de la Réunion, Le Hangar, Centre Chorégraphique Eric Languet (F).

// Gefördert durch Kunststiftung NRW, Ministerium für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport des Landes Nordrhein-Westfalen, Bundesstadt Bonn, Fonds Darstellende Künste e.V., Le Conseil de la Culture Etat du Valais

 

Gemeinsam mit der Tänzerin Laure Dupont und dem Filmemacher und Animationskünstler Simon Rouby erarbeiten die Choreographin Rafaële Giovanola und der Dramaturg Rainald Endraß von CocoonDance ihr neuestes Projekt.

 

Von seiner Erstveröffentlichung an bis heute findet Alice in Wonderland von Lewis Carroll ungebrochenes Interesse bei Kindern, Erwachsenen, aber auch Künstlern aller Genres, die Alice als künstlerische Strategie, in der die Regeln der Wahrnehmung und der Logik einfach aufgehoben sind, für sich nutzen. In Text, Videospiel, Film, Bühne und auch in Comicform kann man Alice bei ihren Verirrungen auf der Spur des weißen Kaninchens begleiten. Interessanterweise war schon das Originalmanuskript von Carroll selbst, ebenso wie die Erstausgabe des Werkes mit Illustrationen versehen. Von Anfang an war Alice als komplexe Text-Bild-Kombination, als Gesamtkunstwerk konzipiert, in der zwei Ebenen der Darstellung im Rahmen einer intermedialen Narration unauflöslich ineinandergreifen.

 

So ist „Revisiting Wonderland“ gleichermaßen inspiriert von den unzähligen Illustrationen von Alice, wie dem Text dieses Klassikers der Weltliteratur selbst. Alice‘ Wahrnehmung der Welt und ihres Körpers nehmen in „Revisiting Wonderland“ zusätzlich in einer Projektion Form und Gestalt an: Simon Rouby zeichnet, modelliert seine Alice, bricht ab, radiert, ändert seine Figur wieder und beginnt aufs Neue. Dennoch oder gerade deshalb gewinnt sie immer mehr an Leben, wird realer und konkreter. So ist „Revisiting Wonderland“ weniger eine weitere Alice-Nacherzählung als vielmehr ein Dialog zwischen den Genres Tanz und Animation, ein permanenter Medienwechsel zwischen bewegtem Körper und in Bewegung gesetzten Bildern des Körpers.

TanzLaure Dupont // Animation: Simon Rouby // Choreografie, Regie: Rafaële Giovanola // Akustische Raum-Fotografie: Jörg Ritzenhoff // Bühne, Licht: Jasper Diekamp // Assistenz: Marcelo Omine // Fotos: Klaus Fröhlich // Management: tellmann kulturmanagement // Konzept, Dramaturgie: Rainald Endrass

PRESSESTIMMEN 

 

„Für das Team Giovanola/Endraß ist das Thema eine Steilvorlage, denn genau diesen Hintergrund veränderter Wahrnehmung spiegelt die Inszenierung. Wie kaum eine andere Companie wagen sich die beiden Tanzschaffenden immer wieder an kompliziert wirkende Themen und Fragestellungen, um sie in ihren Inszenierungen auf ihren Kern zu reduzieren und dem Zuschauer auch noch anschaulich in der Form von Bewegung und Tanz verständlich zu machen. Selten wird Tanz so sprachgewaltig wie bei CocoonDance.

In Zusammenarbeit mit dem Filmemacher und Animationskünstler Simon Rouby und dem Komponisten Jörg Ritzenhoff inszenierte die Choreografin Rafaele Giovanola aus diesem Plot der Wahrnehmungsverzerrung ein spektakuläres Gesamtkunstwerk aus Live-Animation, Sound-Collage und Tanz. Auch wenn Laure Dupont als Alice und ihr Tanz im Vordergrund stehen, ist es doch Simon Rouby, der mit seiner ungewöhnlichen Animationstechnik Alice ihre Vielschichtigkeit verleiht. Mit Laser- bzw. Lichtlinien zeichnet er die Konturen der Tänzerin in verschiedenen Bewegungsmomenten nach, scannt das Ganze und bringt es in anderen Momenten und Bewegungszusammenhängen wieder auf die Bühne. 

So entfaltet sich auf der Bühne ein geradezu rauschhaftes Geschehen, das von den grandiosen Sound-Collagen des Komponisten Jörg Ritzenhoff noch verstärkt wird.

Feste Schritte und metallische Arbeitsgeräusche in dumpfen Klangnebeln suggerieren handfestes Zupacken:  Arbeit an der Psyche. Doch wer das alles ebenso anschaulich wie überzeugend in Tanz und Bewegung umsetzt, ist allein die Tänzerin Laure Dupont. Sie sorgt für die erforderliche Rückkopplung zum Thema und zur Bühnenrealität und setzt dabei so feinfühlig, so betroffen, so verzweifelt und dann wieder so hoffnungsvoll Giovanolas fein austarierte Choreografie in Bewegung um. Laure Dupont ist Alice im Wunderland –  aber dann doch wieder nicht, denn ein Stück von Alice kann in jedem von uns stecken.

„Revisiting Wonderland“  ist eine ebenso gewagte wie mitreißende Inszenierung, bei deren Wechselspiel  von animierter Bewegung und realem Tanz man gelegentlich die Orientierung verlieren kann." 

(Klaus Keil, TANZwebkoeln, 26.06.2015)

 

„Was die Tänzerin Laure Dupont und der Animationskünstler und Filmemacher Simon Rouby am Premierenabend im Theater im Ballsaal auf die Bühne zaubern, ist eine Verschmelzung der Künste auf höchsten ästhetischen wie technologischem Niveau. Die Computer generierten Animationen, die Rouby live auf der Bühne vom Notebook aus steuert, wirken wie ein zweiter Tänzer, wie ein lebendes Gegenüber von Alice, die zu Beginn gleichsam aus Licht geboren wird. Roubys Strahlen berühren Duponts Kleid wie der Pinsel eines Malers die Leinwand - und es entsteht Strich für Strich das Mädchen, der Mensch. In einer späteren Szene begegnet Alice einer computergenerierten Menschenfigur, deren Bewegungsabläufe so perfekt sind wie ihre eigenen. Allerdings scheint der virtuelle Mensch lernfähig und erweitert bald Alices Bewegungsrepertoire um absurd halsbrecherische Möglichkeiten.

Auf ihrer fantastischen Reise, die durch psychedelische Farb- und Klangräusche führt, begegnet Alice natürlich auch den bekannten Wesen aus Wunderland, wie der Grinsekatze. Aber eine der spannendsten Begegnungen ist die mit sich selbst. Ihr Avatar scheint wie in einem Netz aus Markierungslinien eines Grafikprogramms gefangen - und Alice mit ihm. Der Ausbruchsversuch aus diesem Gitternetz ist eine tänzerische wie grafische Meisterleistung. Das Stück, mit dem das Bonner Solotanzfestival heute zu Ende geht, ist eben eine kluge und virtuose Versuchsanordnung, die überaus sinnlich umgesetzt wird."

(Bernhard Hartmann, General-Anzeiger, Bonn, 27.06.2015)

 

„Die Ergiebigkeit von Lewis Carroll, eigentlich das Pseudonym eines Mathematikers ist seine ungeheure Benutzbarkeit, lange nach seinen Tod. Seine Faszination bleibt mit den technischen Entwicklungen im Spiel.

Auch mit deren Übersteigerungen. Es wurde also nicht viel getanzt. Dabei gab es, wenn überhaupt, dafür so eine exzellente Tänzerin wie Laure Dupont. Was an Hinreißendem verlangt ist, gelingt ihr fabelhaft. Aber es ist wirklich nicht viel. Die Choreografie stammt von CocoonDance‘ Rafaële Giovanola. Die Vorlage dafür aber fabrizierte der Animationsfilmer Simon Rouby, was also dann den Zuschauer auch auf die richtige Fährte setzt. Zunächst interessierte nämlich nicht Lewis Carrolls weidlich vertraute Märchenvorlage. Sie ist das Ergebnis. Das Spannende ist der Weg darin und den beschreitet man über die Technik.  … Der Computer zaubert, aber erzählt immer noch die bekannten Geschichten von Lewis Carroll. Es ist verblüffend, was der Animationsfilmer Simon Rouby mit seinem Computer leistet. Seine Animationen grenzten an reine Zauberei. Aber sie bleiben auch, was man immer schon im Theater oder bei Walt Disney gesehen hat; das Kaninchen im Bau, die Tänzerin mal groß und mal klein. Alles ist Theater und Trick. Bislang jedenfalls noch.“

(Heinz-Dieter Terschüren, Bonner Rundschau, 30.06.2015)