7 Performer, 1 Technician

Bühne: 10 m x 12 m

Aufführungsdauer: ca. 0:25 h

 

Premiere: 31.10.2018, Festival DENSE BAMAKO DANSE, Donko Seko, Bamako (Mali)

Deutschland-Premiere: 12.06.2019, Theater im Ballsaal Bonn

 

In Koproduktion mit: Donko Seko (Bamako), Théâtre du Crochetan Monthey, Theater im Ballsaal Bonn, Ringlokschuppen Ruhr Mülheim 

 

Gefördert im Fonds TURN der Kulturstiftung des Bundes und der Kunststiftung NRW, Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen, Bundesstadt Bonn, Theatre-ProVS, Le Conseil de la Culture Etat du Valais, La Loterie Romande

In Koproduktion mit dem Goethe-Institut (Internationaler Koproduktionsfonds) und dem Kunstfest Weimar

 

Von und Mit: Ibrahima Camara, Fa-Hsuan Chen, Martina De Dominicis, Álvaro Esteban, Werner Nigg, Léonce Konan Noah, Sanga Ouattara, sowie Recherche: Ana Koné, Greta Salgado

Choreografie: Rafaële Giovanola

Komposition: Jörg Ritzenhoff

Lichtdesign: Florent Blanchon

Kostüme: Fa-Hsuan Chen

Dramaturgie: Rainald Endraß

Produktionsleitung: Daniela Ebert

Management: Mechtild Tellmann

Fotos: Klaus Fröhlich

Videotrailer: Michael Maurissens/ Carré Blanc Productions

ÜBER DAS STÜCK 

 

In seinem Werk „Marx‘ Gespenster“ entwickelte Jacques Derrida die mediale Denkfigur des Gespenstischen, das ein Dazwischen hervorbringt, das sich aber nicht fixieren lässt. SIGNIFYING GHOSTS nimmt Derridas Denkfigur als Ausgangspunkt für die interkulturelle Begegnung zwischen vier Choreografinnen und ihren Tänzern aus Afrika und Deutschland. Zusammen mit dem Zentrum Donko Seko in Bamako (Mali), der Hochschule für Musik und Tanz (Köln) und dem theaterimballsaal (Bonn) schafft SIGNIFYING GHOSTS einen experimentellen Begegnungsraum, in dem die Choreografinnen und ihre Performer parallel Projekte entwickeln, und zeitweise den jeweils anderen Choreografinnen überantworten. Das eigene Bewegungsmaterial mit fremden Augen gelesen und tänzerisch transformiert.

EX-SITU, das Teilprojekt von CocoonDance Company, entsteht aus der Re-Lektüre und Wiederaneignung einer früheren choreogra-fischen Arbeit. Der neue Impuls für diese Arbeit liegt nun darin, diese heterogenen einzelnen Körper zu einem Ganzen, einem homogenen Organismus zu formen; zusammengehalten durch Haut, Zellen, Organe und Glieder, in sich kommunizierend und interagierend.

  

PRESSESTIMMEN IN AUSZÜGEN 

 

EX-SITU ist das wohl energetischste, ja wuchtigste Stück des Abends, das sich langsam aus der Bewegungslosigkeit in einen regelrechten Bewegungsrausch steigert. Seine emotionale Wirkung wird verstärkt durch den direkten Blick der sitzenden Gruppe auf die Zuschauer*innen und gegen Ende des Stückes durch das bedrohliche Vorrücken der Gruppe an die Bühnenrampe. Bis dahin steigern sich die Bewegungen der sieben Performer*innen von leichten Vibrationen und Zuckungen über unvermittelte Sprünge und Fallen bis hin zu einer rennenden wilden Horde leidender Kreaturen. Großartig, wie es der Choreografin gelingt, den sich ankündigenden Zusammenbruch, das Chaos zu verhindern, indem einzelne mit ihren Sprüngen und Aufbegehren wie Blitzableiter wirken und die Gesamtgruppe zur Ruhe findet. (Klaus Keil, tanzweb.org, 13.06.2019)

 

EX-SITU spielt ,mit dem Rhythmus der Tänzer, die ihre vibrierende Atmung ästhetisch zum Ausdruck bringen, wuchtig in ihren Bewegungen und geführt von einer stilisierenden Kraft, die diese fremdbestimmten Körper zur Ekstase bringen will. Verstärkt wird diese Wirkung durch die leeren, aber direkten Blicke der Tänzergruppe, die am Ende des Stücks bedrohlich nah auf den Zuschauer vorrücken, dann aber in sich zusammenfallen und plötzlich aufhören zu zucken. Der anschließende Beifall verwandelt sie wieder in Menschen, die damit Giovanolas Choreografie großartige Arbeit geleistet haben. (Barbara Franke, Bonner Rundschau 17.06.2019)

 

EX-SITU verschiebt die Perspektiven auf die überall grassierende, lustvolle Körperinszenierung und spielt listig mit der voyeuristischen Komplizenschaft zwischen Bühne und Publikum. Aus der anfänglichen Ruhe entwickelt sich ein geradezu ekstatischer Bewegungstaumel. Dabei schauen die Performer/innen scheinbar emotionslos auf ihre Betrachter und rücken ihnen gegen Ende immer näher. Eine spannende Umkehrung von Blickrichtungen. Begeisterter Beifall. (Elisabeth Einecke-Klövekorn, General Anzeiger Bonn 17.06.2019)   

 

Das Sperrige und das Sinnliche, die Kunst und das Fest, begegnen aber einander durchaus, zum Beispiel im Tanztheater SIGNIFYING GHOSTS. Unter diesem Titel vereint die Bonner Company " CocoonDance"  vier Choreographien. Sie führten uns, ließe sich sagen, im Nationaltheater Systeme vor, die die Tendenz haben, zu kippen. …  Mit sieben vibrierenden, zittrigen, auch fiebrigen Körpern, die sich wie ein einziger Organismus auf uns zu bewegen, endet der Abend: Die Schweizerin Rafaële Giovanola choreographierte in EX-SITU  ein kollektives Vorantasten, in dem ein Versprechen, eine Verführung und eine Bedrohung liegen. Und diese SIGNIFYING GHOSTS in Gänze sprechen körperlich von Begegnungen, in denen immer zugleich ein Gelingen und ein Scheitern möglich scheint. (Michael Helbing, Thüringer Allgemeine, 02.09.2019)