Premiere: 07.09.2019, Kammerspiele Staatstheater Darmstadt

Aufführungsdauer: circa 1:05 h

 

In Koproduktion mit dem Schauspiel des Staatstheaters Darmstadt und dem

Zagreb Dance Center.

 

Gefördert im Fonds Doppelpass der Kulturstiftung des Bundes, dem Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen, sowie der Bundesstadt Bonn.

 

Von und Mit: Álvaro Esteban, Hans Christian Hegewald, Robert Lang, Werner Nigg, Susanne Schneider, Stefan Schuster, Mathias Znidarec

Choreografie, Regie: Rafaële Giovanola

Text: Lothar Kittstein

Komposition: Jörg Ritzenhoff

Video: Benjamin Weber

Raum- und Lichtdesign: Boris Kahnert

Kostüme: Florence Klotz

Dramaturgie: Rainald  Endraß, Maximilian Löwenstein 

Produktionsleitung: Daniela Ebert 

Management: Mechtild Tellmann

Fotos: Nils Heck

Videotrailer: Benjamin Weber

ÜBER DAS STÜCK  

 

Für das Projekt KÖRPERTREFFER begegnen sich in einer interdisziplinären Zusammenarbeit Tänzer der CocoonDance company, Schauspieler des Staatstheaters Darmstadt (D), ein Videokünstler und ein Autor, um in einer Zeit, die den Körper scheinbar im Digitalraum auflöst, nach tänzerisch-spielerischen Ausdrucksformen zu suchen.

 

Was, wenn man Körper als reine Medien begreift und ihre Codes in andere künstlerische Sprachen und Medien überführt? Was, wenn die Effekte der digitalen Bildaufzeichnung alte Unterscheidungen sinnlos werden lassen? Und was, wenn diese Effekte unsere Bilder- und Körperwahrnehmung ganz grundsätzlich in Frage stellen?

 

Zu diesen Fragen hat KÖRPERTREFFER 2018 und 2019 über einen Zeitraum von eineinhalb Jahren in insgesamt fünf Workshops mit wechselnden Beteiligten recherchiert. Entstanden ist so ein dynamischer Prozess permanenter Übersetzung und Überschreibung von szenischem Material. Dabei wurden alle Mittel der choreographischen Arbeit zu gleichwertigen Medien.

 

Durch den alltäglichen Gebrauch des Digitalen, ist die zunehmende Virtualisierung, die kontrollierte Veränderlichkeit des Gesichts, dem scheinbar unerschütterlichen Zentrum unserer Identität, zu beobachten. Dies wirft die Frage auf, ob und inwieweit traditionell am Gesicht verhandelte Unterscheidungen wie außen und innen, natürlich und künstlich, Norm und Abweichung, Mensch und Unmensch fortgeführt oder überwunden werden sollten. Die beiden Philosophen Gilles Deleuze und Félix Guattari sprechen in ihrer Studie „Mille Plateaux“ vom Gesicht als einer „Horrorgeschichte“, ja gar als „[d]as Unmenschliche im Menschen“, und führen weiter aus: Wenn es denn den Menschen gäbe, müsse er dem Gesicht entkommen, läge die Zukunft des Gesichts nur in seiner Auflösung.

 

So ist ein gut einstündiger Abend in drei Teilen entstanden. Im ersten geht es um die Urgeschichte, um die Schöpfung des Gesichts, das Identität nach außen trägt. Dann folgt ein Blick aufs Gesicht im medialen Overkill unserer Tage, und der Schluss transportiert einen utopischen Vorschein, bei dem das Gesicht in unserer Wahrnehmung und Kommunikation keine Vorherrschaft mehr ausübt.

 

Dank des Programms „Doppelpass“ der Kulturstiftung des Bundes (D), das freie Gruppen und feste Theater mit einem dritten Partner verbindet, ist neben dem Staatstheater Darmstadt und CocoonDance das Zagreb Dance Center dritter Partner. Hier wird mit BODY SHOTS (Premiere: 27. März 2020) eine rein choreografische Fortsetzung, rein mit kroatischen Tänzern und CocoonDance, entstehen. Diese wird dann ebenso in Darmstadt gastieren, wie jetzt umgekehrt KÖRPERTREFFER in Zagreb zu sehen ist. 

 

PRESSESTIMMEN IN AUSZÜGEN 

 

Das Projekt „Körpertreffer“ am Staatstheater Darmstadt ist Schau-Spiel, aber konsequent nicht schauspielhaft, ohne Drama, ohne Geschichte, ohne Dialog. Ein gelungenes Experiment.“ (Melanie Suchy, Frankfurter Allgemeine Zeitung)