CocoonDance wurde 2000 von der Choreografin Rafaële Giovanola und dem Dramaturgen Rainald Endraß anlässlich einer Einladung zum Festival OFF Avignon gegründet. Die in Baltimore geborene Schweizerin war nach einem Studium mit Marika Besobrasova in Monte Carlo zunächst Solistin in Turin, bevor sie von William Forsythe für acht Jahre an das Ballett Frankfurt engagiert wurde. Anschließend arbeitete sie mit Pavel Mikuláštiks Choreografischem Theater, zuletzt in Bonn.

 

Seit 2004 bespielt und leitet die Company die Sparte Tanz in dem von der Bundesstadt Bonn institutionell geförderten freien Theater im Ballsaal, einem Haus der produzierenden Künstler, Schnittstelle und Wirkungsbereich verschiedenster Felder des zeitgenössischen Tanzes. Aus dem auch bundesweit außerordentlichen Zusammenspiel eines freien Spiel- und Produktionsortes und einem freien Ensemble hat sich seitdem ein beachtliches Potenzial ergeben. Dieses, durch unterschiedliche Förderungen getragene, 'Bonner Modell' ermöglicht ein ebenso erfolgreiches wie effizientes Zusammenspiel von Einzelprojekten wie Gastspielreihen (Internationales Bonner Tanzsolofestival, INTO THE FIELDS) Residenz-Programmen, Projekten kultureller Bildung, die sich wechselseitig befruchten und dabei gemeinsam ein funktionierendes Ganzes bilden. So zeichnet sich die Arbeit von CocoonDance durch eine enorme Kontinuität in der künstlerischen Entwicklung und der Ausformung eines vielfältigen, internationalen wie interdisziplinären Netzwerks aus. Ohne eine wirklich eigene Struktur, hat sich CocoonDance dennoch zu so etwas wie einer Institution mit weitreichender Vernetzung nicht nur im künstlerischen, sondern auch im Bereich kultureller Bildung entwickelt, aus der zahlreiche Projekte der Kunstvermittlung, die zum Teil erst ausgeformt wurden, entstanden sind.

 

Die seit 2000 entstandenen rund vierzig abendfüllenden Produktionen von CocoonDance wurden zu Gastspielen auf mittlerweile fünf Kontinenten eingeladen und mehrfach mit Preisen ausgezeichnet. 2018 und 2020 war CocoonDance zur TANZPLATTFORM DEUTSCHLAND, der wichtigsten Biennale für zeitgenössischen Tanz eingeladen.

 

Motor der künstlerischen Entwicklung ist wesentlich die Improvisations- und Ensemblearbeit. In den Projekten besteht jegliche künstlerische und inhaltliche Freiheit, wird dem ungewöhnlichen Umgang mit Formen und Inhalten breiter Raum gegeben. Kollektive Entscheidungsprozesse und eine enorm kontinuierliche Teamarbeit begründen die ästhetische Dichte der Arbeiten.

 

Die Projekte experimentieren mit verschiedenen Erzähl- und Wahrnehmungsperspektiven, rütteln an unserer Beziehung zu Raum und Zeit, zu uns selbst und unserem Körper. Die in der Körper- und Bewegungsrecherche gestellten Fragen suchen nicht nach definitiven, schlüssigen Antworten, sondern eröffnen stattdessen urteilsfreie Denk- und Bewegungsräume. Das eigentliche Event spielt sich im Kopf ab. Mit seinen Arbeiten sprengt das Bonner Tanzensemble immer wieder das konventionelle Bühnenerlebnis – nicht nur, was den Raum betrifft. Es sind Experimente der Körper-, Fremd- und Selbstwahrnehmung.

 

 

Pressestimmen zu CocoonDance

 

Der Mensch hatte auch schon mal bessere Zeiten. Krone der Schöpfung? Würdevolles Vernunft-Subjekt? Eine symmetrische Anordnung von Gliedern, dazu Muskeln, Sehnen, Knochen, die für den aufrechten Gang bestimmt sind? Eigentlich schon. Doch geht es nach der Bonner Tanzkompanie CocoonDance stecken noch ganz andere Kreaturen in ihm, die viel aussagekräftiger für sein heutiges Dasein sind: tierische, insektenhafte, amorph-fantastische, technoide Wesen. Und die brechen sich derzeit mit jedem neuen Stück, das das Ensemble choreografiert, Bahn.

Dafür mussten sie sich erst neu erfinden. Sie mussten komplexe dramaturgische Konzepte über den Haufen werfen, ihren Ehrgeiz, eine postmoderne Narration für den Tanz zu erfinden. Sie mussten ihren Drang zu Bewegungsreichtum, zu virtuosen choreografischen Abläufen unterdrücken. Dann passiert es: CocoonDance landet einen Erfolg nach dem nächsten. Das Ensemble bekommt die Spitzenförderung des Landes NRW und ist in diesem Jahr schon zum zweiten Mal Gast beim wichtigsten Festival des freien Tanzes, der Tanzplattform.

… Heute, sagt Rafaële Giovanola, »interessiert uns, einen neuen Körper zu finden, der so weit wie möglich entfernt ist vom menschlichen Körper, wie man ihn eigentlich kennt.« Der Choreograf als Körper-Schöpfer – ein bisschen wie der uralte Menschheitstraum vom Prometheus, Golem, Blade Runner bis zu den Robotern des Silicon Valley, wo mit animistischem Enthusiasmus die Maschine zum besseren Mensch verklärt wird. Cocoon Dance dekliniert schon mal sein Bewegungsspektrum durch. Eine attraktive Utopie. Der blanke Horror? (Nicole Strecker, kultur.west, 05.02.2020)

 

Mit … tiefgründigen Wahrnehmungsräumen haben die Tänzerinnen und Tänzer von CocoonDance um die Choreografin Rafaële Giovanola und dem Dramaturgen Rainald Endrass so ihre Erfahrungen gemacht. Immer wieder, und nicht zuletzt mit „Momentum“ über „Ghost Trio A“ und „Ghost Trio B“ bis hin zu „Vis Motrix“ ist das Duo Giovanola / Endrass eingetaucht in diese Zwischenwelten, um die Momente zu entschlüsseln, wo der tänzerische Körper neue Verbindungen von Raum und Zeit schafft und sich neue Formen choreografischer Darstellung entwickeln. Inszenatorische Neugier und choreografischer Forscherdrang haben ihnen Preise und Auszeichnungen eingebracht und die begeisterte Zustimmung eines Publikums, das der schwierigen choreografisch-tänzerischen Umsetzung philosophischer Fragestellungen fasziniert folgt und durch Zuspruch goutiert. (Klaus Keil, tanzweb.org, 13.06.2019)

 

Die 2000 gegründete Bonner CocoonDance-Kompanie, geleitet von der Choreografin Rafaele Giovanola und dem Dramaturgen Rainald Endraß, zeigen im Ballsaal .. immer wieder, wie viel künstlerische Qualität in ihren Projekten steckt. ... Es wird mit verschiedenen Erzähl- und Wahrnehmungsperspektiven experimentiert, es soll das hiesige Kunstverständnis aufbrechen. Definitive und schlüssige Antworten zu einem Stück werden nicht mehr vorgegeben, sondern sind der eigenen Reflexion, der Subjektivität überlassen. Den Zuschauer als das wahrnehmende Element zu sehen, ist hier zentral. Ihn als Performer zu inszenieren, der reflektiert und partizipiert, fließt mit den Bewegungen der Tänzer zusammen. … Auch das gehört zu dem "neuen" Kunstverständnis, das die CocoonDance-Kompanie vermitteln will. Die einzelnen Funktionen von Dramaturgen, Choreografen und Tänzern werden mehr und mehr aufgehoben. Es geht ums Ganze, das auch das Publikum mit einfließen lässt und so dessen viel gefühlsbetontere Rezeption der Stücke zulässt. Künstlerische Freiheit und die Improvisationsarbeit tragen dazu bei, dass Stücke wie "Vis Motrix" oder "Ghost Trio B" entstehen dürfen und internationalen Erfolg haben. Auch mit der 2012 entstandenen "Junior-Company" will CocoonDance diesen sehr auf Eigenständigkeit und Kreativität bedachten Ansatz weiterverfolgen. (Barbara Franke, Kölnische Rundschau, 21.01.2020)

 

… die Arbeit von CocoonDance bekommt mehr Anerkennung denn je: Einladung zur Tanzplattform Deutschland 2018 in Essen, Spitzenförderung des Landes NRW, Doppelpass-Plus-Förderung der Bundeskulturstiftung. Es ist, als sei auch die Compagnie flügge geworden und gleichzeitig im Innern des Tanzes angekommen. (Melanie Suchy, Die Deutsche Bühne 06/2018)  

 

Publikum, das sind wir alle. Ein Thema, dass Rafaële Giovanola und Rainald Endraß in ihren Choreografien für CocoonDance seit Jahren beschäftigt und dem Publikum in NRW elektrisierende Produktionen bescherte. (Thomas Linden, TRAILER, 27.07.2017)